Donnerstag, Juli 26, 2007

 

Radebeul und der Datenschutz seiner Einwohner

Recht weite Verbreitung hat die Meldung auf SPON gefunden, dass in Radebeul Rolls Royce eine Niederlassung eröffnet. Radebeul hat sich zu einem Vorort Dresdens entwickelt, in dem die Reichen und Wohlhabenden ihr Zuhause gefunden haben. Das sei ihnen gegönnt, jeder muß irgendwo leben - und wer in Radebeul lebt, der wird auch die nötigen Mittel haben, die fehlende DSL-Versorgung mit einer Vodafone-UMTS Lösung zu kompensieren.

Merkwürdig ist dagegen, dass die wohlhabenden Radebeuler keinen Widerstand gegen das Vorhaben ihrer kommunalen Selbsteverwaltung entwickeln. Diese will nämlich ein Einwohneradressbuch herausgeben, was zwar nach dem Sächsischen Meldegesetz erlaubt ist, jedoch erhebliche verfassungsrechtliche Zweifel aufwirft. Dass solche Zweifel weder Worte (Schäuble) noch Taten (Luftsicherheitsgesetz) verhindern, ist bekannt - und man erwartet ja auch gar nichts anderes von staatlichen Organen. Das Einwohneradressbuch wird im Amtsblatt, dort S. 11, wie folgt angekündigt:

Herausgabe eines Einwohneradressbuches für die Große Kreisstadt Radebeul
Beantragung von Auskunfts- und Übermittlungssperre
Voraussichtliche Ende Dezember 2007 wird durch den Mimos Verlag Gmbh & Co KG ein Einwohneradressbuch der Stadt Radebeul herausgegeben. Das Adressbuch enthält in alphabetischer Reihenfolge:
– Familien- und Vornamen
– Akademische Grade
– Anschriften
der volljährigen Einwohner mit Hauptwohnsitz in Radebeul. Einwohner, welche wünschen, dass sie nicht im Adressbuch erscheinen, haben das Recht, dies ohne Begründung zu verweigern. Dies ist formgebunden schriftlich unter der Vorlage des Personaldokumentes bei der Einwohnermeldestelle zu beantragen.
Mit dem gleichen Antragsformular kann eine Sperre über Alters- und Ehejubiläen beantragt werden. Wer bereits eine Sperre beantragt hat und nicht aus Radebeul weggezogen und wieder zugezogen ist, braucht den Antrag nicht zu wiederholen.
Firmeninhaber und Gewerbetreibende wenden sich bitte direkt an den Verlagsbeauftragten
Dr. Wolfgang Tittel, info@tittel-verlag.de,
Telefon 0371/7743520, Fax 0371/7743511
Die Frist zur Eintragung einer Auskunftsbzw.
Übermittlungssperre für das Einwohneradressbuch
endet am 15. August 2007.
Es ist doch wunderbar, wenn die Einwohner der Gemeinde mit diesem Service beglückt werden. Sie haben sogar die Möglichkeit zu widersprechen, selbstverständlich form- und fristgebunden. Ich habe ja schon allerlei gehört, aber daß eine Gemeinde die Daten ihrer Einwohner herausgibt, dies offenkundig wegen fiskalischer Interessen, und die Einwohner dem widersprechen müssen, anstatt daß sie ausdrücklich zustimmen müssen, das ist mir neu. Man stelle sich vor, ein privates Unternehmen ginge so vor und wie die Politkasper auf eine solche Nachricht reagieren würden. Ich hoffe dringend, daß jemand das Gemeinwohl über sein eigenes stellt und gegen diesen Unsinn vorgeht, indem er feststellen läßt, daß die entsprechenden Passagen des Sächsischen Meldegesetzes gegen die informationelle Selbstbestimmung verstoßen.

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Freitag, Juli 13, 2007

 

Wer erinnert sich noch?

In a statement issued to the Arabic satellite channel Al Jazeera, based in Qatar, bin Laden said, "The U.S. government has consistently blamed me for being behind every occasion its enemies attack it.

"I would like to assure the world that I did not plan the recent attacks, which seems to have been planned by people for personal reasons," bin Laden's statement said.
(via LRC via CNN)

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Mittwoch, Juli 11, 2007

 

Kapitalistenschwein

Auf Anregung von steffenh:


You Are 100% Capitalist, 0% Socialist

You're a capitalist pig - and proud of it.
You believe that business makes the world great...
And you'd never be ashamed of being rich!
Are You a Socialist or Capitalist?


Das Buch für Kapitalistenschweine.

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Dienstag, Juli 10, 2007

 

Strafverfolgung und TOR-Admins

Beunruhigende Nachrichten (sh. auch hier):
Nach einem anonymen Hinweis, dass gegen ihn eine Maßnahme zur Überwachung seiner Telekommunikation laufe und er in "bestimmten Datenbanken" erfasst worden sei, versuchte der Admin des TOR-Nodes "Knuffel", Torsten N., bei den zuständigen Stellen Aufschluss zu erhalten, ob und welche Ermittlungsmaßnahmen gegen ihn laufen. Weder das Auskunftsersuchen nach § 495 StPO noch eine Anfrage beim Bundesdatenschutzbeauftragten lieferte Auskünfte.

Keine Auskunft ist jedoch auch eine: Wie Kai Raven anführt, deutet die Verweigerung der Informationen darauf hin, dass tatsächlich Maßnahmen gegen den TOR-Betreiber eingeleitet wurden:

"§ 19 Absatz 6 des Bundesdatenschutzgesetzes lautet:
(6) Wird dem Betroffenen keine Auskunft erteilt, so ist sie auf sein Verlangen dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit zu erteilen, soweit nicht die jeweils zuständige oberste Bundesbehörde im Einzelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gefährdet würde. Die Mitteilung des Bundesbeauftragten an den Betroffenen darf keine Rückschlüsse auf den Erkenntnisstand der verantwortlichen Stelle zulassen, sofern diese nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt."

Raven folgert, dass die Vermutung, es werde ermittelt, somit aller Wahrscheinlichkeit nach zutrifft. Ein Ermittlungsverfahren wäre denkbar beispielsweise anlässlich des Verdachts einer Straftat, die "die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gefährdet". Torsten N. publizierte Anleitungen zur Anonymisierung auf anon-web.de, betreibt den Tor-Node "Knuffel" und den Mixmaster-Remailer "awxcnx".

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Montag, Juli 09, 2007

 

Extremistische Männer

Auf eine dumme Frau kommt eine vielfache Anzahl dummer Männer. Auf eine kluge Frau kommt eine vielfache Anzahl kluger Männer. Denn statistisch gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit, Männer und nicht Frauen in den Extremen des IQ anzutreffen. Eine weitere Parallele zu diesem Fund bietet eine mexikanische Studie an, von der die FAZ berichtet:
Die Wissenschaftler hefteten knapp 400 Studenten in Mexiko und Texas für zwei bis zehn Tage Mikrofone an, um herauszufinden, wie viele Worte sie durchschnittlich an einem Tag sprachen. Anders als in bisherigen Studien ließ sich der mitgeführte digitale Stimmen-Rekorder nicht willkürlich ein- oder ausschalten. Vielmehr nahm das elektronisch aktivierbare Aufnahmegerät alle 12,5 Minuten für 30 Sekunden die Geräusche seiner Umgebung automatisch auf. So konnten die Teilnehmer nicht wissen, wann sie abgehört wurden, und es auch nicht beeinflussen.

Das Ergebnis: Die Studentinnen benutzten über einen durchschnittlichen Zeitraum von 17 Stunden 16 215, die Studenten 15 669 Wörter. Die Differenz von 546 Wörtern sei "nicht statistisch signifikant", sagen die Wissenschaftler. Erstaunlich fanden Mehl und Pennebaker jedoch, wie unterschiedlich kommunikativ die Studenten unabhängig vom Geschlecht waren. Während eine Testperson nur 500 Worte am Tag sprach, brachte es eine andere auf mehr als 45 000 Worte. Beide, der Gesprächsmuffel und die Quasselstrippe, waren Männer.

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Samstag, Juli 07, 2007

 

Neokonservativismus und frühkindliche Gewalt vs. Blowback

Daß die Überzeugungen der Neo-Konservativen im linken Milieu wurzeln, ist bekannt. In welchem Maße die tradierten Überzeugungen nun jedoch dazu dienen, der Abscheu gegen alles islamische neuen Ausdruck zu verleihen, war mir unbekannt. Von der Osten-Sacken schreibt:
Leider existieren viel zu wenig psychoanalytische Untersuchungen, die sich mit Gewalt, Terror und Kindheit in der islamischen Welt befassen. Lloyd deMause befasst sich in seinem Buch “The Emotional Life of Nations” zumindest mit einigen dieser Zusammenhänge, wenn auch in extrem geraffter Form.

Eine seiner Thesen lautet:

“The roots of current terrorist attacks lie, I believe, not in this or that American foreign policy error but in the extremely abusive families of the terrorists.”

Er erwähnt zu Recht die Folgen von Gewalt, Genitalverstümmelung, harten körperlichen Strafen und vieles mehr. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Eine Hebamme aus der Entbindungsstation des Krankenhauses von Suleymaniah erzählte mir kürzlich, es wäre hier die Regel, gebärende Frauen anzuschreien, gar zu schlagen, damit sie schneller niederkommen. Und dies ist ein ziemlich wahllos herausgegriffenes Beispiel.
So verstanden sind amerikanische Truppen im nahen Osten und Afghanistan nur die moderne Form des Sozialarbeiters, der unermüdlich gegen frühkindliche Gewalterfahrungen interveniert.

Wie passend, daß dadurch erstens die jahrzehntelange Präsenz amerikanischer Truppen (das sind nur Entwicklungshelfer und Sozialarbeiter) gerechtfertigt werden kann, zweitens der infolge dieser Außenpolitik auf die USA geschürte Haß verharmlost (die Traumata der Genitalverstümmelungen wiegen schwerer als die eine oder andere Bombe unter Clinton oder die Installierung des Schahs) werden kann. "Educating Rudy" mag bislang erfolglos geblieben sein. Aber vielleicht informiert sich ja doch irgendwann der eine oder andere Neo-Konservative über Blowback - möglicherweise sogar im offiziellen Bericht der 9/11 Kommission.

P.S.: Wer spricht heute eigentlich noch von Psychoanalyse? Außer einigen Altlinken ebenfalls niemand mehr. Popper hatte doch bzgl. Freud ganze Arbeit geleistet.

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Freitag, Juli 06, 2007

 

Tom Cruise, Stauffenberg und dessen Nichte

In der öffentlichen Diskussion um die Eignung von Tom Cruise für die Rolle des Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg (vgl. hier Florian Henckel von Donnersmarck in der FAZ und hier im FF) wurde häufig auf den Willen von Verwandten Stauffenbergs abgestellt. Eine Äußerung seiner Nichte Elizabeth Stauffenberg Roberti findet man hier:
Tom Cruise is about to begin filming in Germany, and he’s portraying non other than the great Claus von Stauffenberg, the officer who tried to assassinate Hitler. When I rang my friend Elizabeth Stauffenberg Roberti—her father was Claus’s brother and was also put to death after the July 20 plot—she did not seem too perturbed that Cruise would play her uncle. “He is a foot shorter but what the hell…”
Der Autor des Blogs erklärt sich klug folgendermaßen:
My problem with Cruise is not his religion, far from it, but his mannerisms. I don’t think he is capable of playing an upper class Wehrmacht officer of noble background. It takes more than acting lessons to do that. Stauffenberg was very handsome and a great hero, something perhaps a Gary Cooper could bring across, but not Cruise. Mind you, I hope I’m wrong, but I wouldn’t bet on it. A German journalist was not pleased by the choice. “It is like casting Judas in the role of Jesus.” Easy Trigger. It’s not as bad as all that, but they should have got Leopold Bismarck for the role.

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Dienstag, Juli 03, 2007

 

Marx ist ein Langweiler ...

... zumindest für chinesische Studenten. Die interessieren sich weder für Marxismus noch Kapitalismuskritik. Kein Wunder, wenn ein Blick aus dem Fenster Einkaufszentren und Wolkenkratzer findet. Die weltweite Ablöse des Marxismus wird auch auf andere Weise dokumentiert. "Libertarian" verzeichnet bei Google mehr Treffer als "Marxism" oder "Marxist". Heißt das, daß Kapitalismus auf dem Vormnarsch ist? Das kommt darauf an, nämlich auf die Definition von Kapitalismus. Der Kapitalismus im marxistischen Sinne verstanden als - grob gesagt - die Verschränkung des Großkapitals mit dem Staat ist auf dem Vormarsch. Kapitalismus im liberalen Sinne freier Märkte ist es nicht. Allein die Ablöse (wenn man die Anzahl der Googletreffer so verstehen will) der marxistischen Ideologie als vorherrschende Systemkritik durch den Liberalismus, bedeutet noch nicht einen Siegeszug der Liberalen. Im Gegenteil wird die Umsetzung liberaler Lösungen behindert durch die Entkettung antimarktwirtschaftlicher Politik von ihren historischen Wurzeln. Die Entradikalisierung der marxistischen Lehre verwässert ihren Gehalt und ermöglich erst ihre breitflächige Umsetzung als neuer Sozialdemokratismus. Die echte marxistische Systemkritik wird die Möglichkeit nicht auslassen, diese halbherzige Umsetzung der eigenen Vorstellungen als neoliberal zu brandmarken.

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