Freitag, September 29, 2006
Staatsentstehung und Staaten der Frühzeit
Die Frage nach den Gründen für die Entstehung des Staats ist zentral für Liberale und Libertäre. Bundespräsident a.D. hat in einem früheren Werk versucht, diese Frage zu beantworten. Vornehmlich ist seine Arbeit eine historische über bereits entstandene Staaten. Angerissen wird aber auch die Frage, wie es zur Staatsbildung kam. Die von Herzog gegebene Antwort ist nicht neu: Staaten entstanden zur Gefahrenabwehr oder zur Bereitstellung öffentlicher Güter. Verschwiegen wird, daß Staaten auch entstanden, wenn Horde A die Horde B überfallen hat. Ethischen Betrachtungen führt Herzog die Frage nach der Legitimation der Herrschaft von Menschen über Menschen nicht zu, obwohl er das Problem erkennt und - für einen Juristen selbstverständlich - den Staat auch in seiner demokratischen Erscheinungsform als Herrschaftsinstrument einstuft. Als grundlegender Überblick ist das Buch jedenfalls gut zu gebrauchen. Fundierter wird die eigene Kenntnis des Themas, ergänzt man Herzogs Buch mit den Arbeiten von Harold Barclay (erhältlich bei buchausgabe.de). Empfehlenswert ist auch Hoppes zusammenfassender Aufsatz über die Entstehung des Staats (auch in deutscher Übersetzung von Robert Grözinger zu lesen). Herzogs Buch "Staaten der Frühzeit" ist zu haben bei amazon.de für EUR 12,90. Zusätzlich habe ich es gesehen bei Jokers.
Freitag, September 22, 2006
Naturalien statt Arbeitsentgelt
Wer würde es vorziehen, sein Gehalt in Naturalien zu bekommen? Liest hier jemand mit, der lieber 4 Laib Brot, 3 Kästen Limo, 1 kg Käse, Braten für 12 Portionen, 12 Bananen statt eines Teils seines Einkommens erhalten will? Wahrscheinlich will dies niemand. Der Grund ist einfach: Eine Bezahlung in Geld erlaubt denjenigen, die keinen Käse mögen, sich Salami zu kaufen und denjenigen, die kein Gluten essen dürfen, sich ihre Diätnahrung zu besorgen. Niemand läßt sich gern von seinem Arbeitgeber vorschreiben, was er zu konsumieren hat, wenn er stattdessen Geld und damit Wahlfreiheit erlangen kann.
Dennoch erhält man in Deutschland zwischen 30% und 70% des Einkommens in Naturalien. Denn von dem Entgelt, was der Arbeitgeber bereit ist, seinem Angestellten zu bezahlen, ist er verpflichtet, Sozialabgaben und Steuern abzuführen. Der konkrete Naturalienanteil schwankt je nach Steuerlast und Mitgliedschaft in den Zwangsversicherungen. Als Ausgleich bekommt der Arbeitnehmer vom Staat einen (einseitig als wertäquivalent festgelegten) Korb von Naturalien: Bundeswehr, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Polizei und vieles mehr.
Das ist eine ganz bedauerliche Entwicklung. Sie zeigt, wie wenig dem Menschen getraut wird, für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen. Es ist überlegenswert sich bewußt zu machen, in welchen Zeiten der Menschheitsgeschichte es einen vergleichbaren Befund hinsichtlich der Verfügung über fremder Menschen Arbeitskraft gegeben hat. Ad hoc fallen mir der sozialistische Ostblock und diverse Sklavenhaltergesellschaften ein.
Dennoch erhält man in Deutschland zwischen 30% und 70% des Einkommens in Naturalien. Denn von dem Entgelt, was der Arbeitgeber bereit ist, seinem Angestellten zu bezahlen, ist er verpflichtet, Sozialabgaben und Steuern abzuführen. Der konkrete Naturalienanteil schwankt je nach Steuerlast und Mitgliedschaft in den Zwangsversicherungen. Als Ausgleich bekommt der Arbeitnehmer vom Staat einen (einseitig als wertäquivalent festgelegten) Korb von Naturalien: Bundeswehr, Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Polizei und vieles mehr.
Das ist eine ganz bedauerliche Entwicklung. Sie zeigt, wie wenig dem Menschen getraut wird, für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen. Es ist überlegenswert sich bewußt zu machen, in welchen Zeiten der Menschheitsgeschichte es einen vergleichbaren Befund hinsichtlich der Verfügung über fremder Menschen Arbeitskraft gegeben hat. Ad hoc fallen mir der sozialistische Ostblock und diverse Sklavenhaltergesellschaften ein.
Mittwoch, September 20, 2006
Verstand, Zustand, Stillstand
Wenn ein Mensch mit Hilfe seines Verstandes sucht den derzeitigen Zustand zu erklären, so erkennt er die Unmöglichkeit des Versuchs, den Stillstand zu verordnen. Resultat solcher Versuche ist die Mehrung der Erkenntnis wie hier durch Freedy.
Dienstag, September 12, 2006
Unterricht zu Hause: reductio ad absurdum
Der Anspruch des Staats auf die totale Beschulung seiner Bürger durch ihm unterstehende Lakaien nimmt beängstigende Ausmasse an, siehe hier, hier und hier (via liberty.li). Das meistgehörte Argument gegen die Erziehung der Kinder durch ihre Eltern ist, daß der Staat es nicht zulassen könne, daß Eltern ihre Kinder nicht erziehen. Deswegen sei die Schulpflicht notwendig; ähnlich äußert sich Benjamin auf diesem Blog. Das Argument halte ich nicht für stichhaltig:
Wenn Eltern angeblich unfähig seien, den Kindern Dinge beizubringen, die über das Niveau der ersten Klasse hinausgehen (das spricht übrigens nicht für die Staatsschule), warum sind sie dann fähig, sie in den ersten drei bzw. fünf Jahren großzuziehen? Müßte man nicht konsequenterweise sagen, daß Kinder bereits ab einem Alter von sechs Monaten staatlich erzogen werden müssten? Ist diese Phase der Entwicklung nicht sogar wesentlich wichtiger als spätere Phasen? Warum glaubt man, daß Eltern die richtige Auswahl treffen, wenn es um den Einkauf von die motorischen Fähigkeiten schulendem Spielzeug geht? Wie gefährlich ist die private Verwahrlosung im Kleinkindalter und kann die Unterbringung in staatlichenAufzuchtstationen Vorschulen dem nicht vorbeugen?
Wenn Eltern angeblich unfähig seien, den Kindern Dinge beizubringen, die über das Niveau der ersten Klasse hinausgehen (das spricht übrigens nicht für die Staatsschule), warum sind sie dann fähig, sie in den ersten drei bzw. fünf Jahren großzuziehen? Müßte man nicht konsequenterweise sagen, daß Kinder bereits ab einem Alter von sechs Monaten staatlich erzogen werden müssten? Ist diese Phase der Entwicklung nicht sogar wesentlich wichtiger als spätere Phasen? Warum glaubt man, daß Eltern die richtige Auswahl treffen, wenn es um den Einkauf von die motorischen Fähigkeiten schulendem Spielzeug geht? Wie gefährlich ist die private Verwahrlosung im Kleinkindalter und kann die Unterbringung in staatlichen
Montag, September 11, 2006
Methodologischer Individualismus und 9/11
Anläßlich des 5. Jahrestags des Unglücks von 9/11 und ins Kraut schießender Schuldzuweisungen an $_KollektivDeinerWahl hier die weisen Worte des Ludwig von Mises:
"Die Gesellschaft ist ein Erzeugnis des Willens und der Tat. Wollen und Handeln können immer nur Menschen. Alle Mystik und Symbolik der kollektivistischen Philosophie kann uns nicht drüber hinweghelfen, daß wir vom Denken, Wollen und Handeln von Gesamtheiten nur figürlich reden können und daß die Vorstellung emfindender, wollender und handelnder Kollektive nur Anthropomorphismus ist."Ludwig von Mises, Die Gemeinwirtschaft: Untersuchungen über den Sozialismus, 2. Auflage, Jena 1932, S. 476.
Sonntag, September 10, 2006
The Irony of Monetary Policy
Für einige von Euch könnte mein (mehr oder weniger) neuer Artikel, The Irony of Monetary Policy, der vor kurzhem auf der Website vom Ludwig von Mises Institute veröffentlicht wurde, vielleicht von Interesse sein. Kommentare sind sehr willkommen!
Freitag, September 08, 2006
Sezession! Aber nur im Irak ...
Die Kurden waren schon immer bekannt dafür, echte(tm) Aktivisten hervorzubringen. Das hat sich auch nicht durch den Sturz Saddam Husseins im Irak geändert. Wenn der Irak-Überfall außer diversen SAND-Händlern und dem von der Wiederwahl profitierenden US-Präsidenten irgendjemandem genutzt hat, dann sind es die Kurden. Diese sind echte Nutznießer des amerikanischen (und deutschen) Steuerzahlers, verlautet doch ein Kurdenführer:
"If we want to separate, we will do it, without hesitation or fears," Barzani, president of the Kurdish region, said during an address to parliament.Ein solcher Schritt wäre sehr zu begrüßen. Er zeigt auch, was die Kurden (bzw. die, die sich anmaßen für diese zu sprechen) von Demokratie im Verhältnis zu Autonomie halten: Nichts. Äußerst pikant.
Dienstag, September 05, 2006
Link: Pot, Israel vs. Libanon und JFK
Drei Links zu Artikeln, die auf die eine oder andere Weise lesenswert sind:
1. Top 10 Pot Studies Government Wished it Had Never Funded
Pot ist gut für Dich und wirkt gegen Krebs.
2. The Brainwashing Media by Uri Avnery
Die Palis sind besiegt! Ja, wirklich!
3. 16 Questions on the Assassination by Bertrand Russell
Rätselhafter JFK.
1. Top 10 Pot Studies Government Wished it Had Never Funded
Pot ist gut für Dich und wirkt gegen Krebs.
Federal researchers implanted several types of cancer, including leukemia and lung cancers, in mice, then treated them with cannabinoids (unique, active components found in marijuana). THC and other cannabinoids shrank tumors and increased the mice’s lifespans.
2. The Brainwashing Media by Uri Avnery
Die Palis sind besiegt! Ja, wirklich!
There was, of course, a difference of night and day between Hizbullah and us. How can one compare? After all, Hizbullah launched rockets at us with the express intent of killing civilians, and did indeed kill some thirty of them. While our military, "the most moral army in the world," took great care not to hurt civilians, and therefore only about 800 Lebanese civilians, half of them children, lost their lives in the bombardments which were all directed at purely military targets.
3. 16 Questions on the Assassination by Bertrand Russell
Rätselhafter JFK.
Although Oswald is alleged to have shot the President from behind, there are many witnesses who are confident that the shots came from the front. Among them are two reporters from the Forth Worth Star Telegram, four from the Dallas Morning News, and two people who were standing in front of the book depository building itself, the director of the book depository and the vice-president of the firm.
Prinzipien statt Partei
Die aktuelle Erosion des liberalen Prinzips bei der Libertarian Party der USA zeigt, wie gross die Versuchung ist, liberale Prinzipien aufzugeben, um Macht und Einfluß zu gewinnen. Lew Rockwell berichtet über die Einzelheiten. Ein weiteres Mal bestätigt sich, was Liberale schon längts hätten lernen müssen: Wer statt zu den Mitteln des Marktes zu greifen sich auf das politische Mittel verläßt, der hat den Liberalismus aufgegeben. Die Gründung einer Partei oder Aktivität in einer Partei ist der erste Schritt weg vom Prinzip und hin zur Pragmatik, weg vom Leben-und-leben-lassen hin zum ungefragten Treffen von Entscheidungen für Dritte. Standfestigkeit und Prinzipien können jemanden davor bewahren. Doch es ist einfach, die Linie zu überschreiten. Nur die gefestigsten Charaktere können dies wagen. Deren gibt es aber zu wenige. Der Geist bleibt willig, das Fleisch ist schwach. Das gilt insbesondere, wenn Macht und Einfluß locken.

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