Dienstag, Januar 24, 2006
Liberalismus, Außenpolitik - Cont'd
Paul schießt weiter: Peng, peng, peng.
Wie wäre es mit Limperialisten?
"Li-", wie in Liberalismus. Zu einem vollständigeren Liberalismus reicht's ja nicht.
"Imperialisten", wie das, was ihr seid.
"Limp", fast selbsterklärend. Gerne tut's aber auch Michael.
Wo ich gerade mal wieder diesen wunderschönen Begriff “chickenhawk” sehe: Wie nennt man eigentlich die Gegner des humanitären Interventionismus, also jene Schlauberger, die, ohne selbst je in einem KZ gesessen zu haben oder wenigstens mal ein bißchen gesteinigt worden zu sein, selbst bei Völkermord Stillhalten verlangen, solange es nur andere sind, die wie die Lämmer zur Schlachtbank geführt werden? Chickenlambs?Liberale, Paul, Liberale. Interventionismus ist per se illiberal, da er nicht auf Zustimmung beruht. "Humanitärer Interventionismus ist logisch unmöglich und daher ein Oxymoron. Ich wiederhole mich: Der Liberalismus kennt keine Pflicht zur Hilfeleistung. Es sind die chickenhawks, die sich ein neues Namensschild ans Nest hängen sollen. Erste Versuche finden ja schon statt, siehe hier und folgende.
Wie wäre es mit Limperialisten?
"Li-", wie in Liberalismus. Zu einem vollständigeren Liberalismus reicht's ja nicht.
"Imperialisten", wie das, was ihr seid.
"Limp", fast selbsterklärend. Gerne tut's aber auch Michael.
Comments:
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"Interventionismus ist per se illiberal, da er nicht auf Zustimmung beruht."
Gerade die Tage haben sie eine Umfrage in Afghanistan gemacht. 75% der befragten Afghanen stimmten der US-Intervention zu. Das scheint mir doch ein wenig mehr zu sein als die 25%, die das anders sehen.
Du solltest Deinen Satz also umformulieren: "...da er nicht auf der Zustimmung des zu stürzenden Diktators und seiner Helfershelfer bzw. Profiteure beruht." Schade nur, daß dann der Liberalismus nicht mehr auf der Seite der Demokratie steht, sondern auf der ihrer Feinde.
Paul13
http://napauleon.typepad.com/nobloodforsauerkraut/
Gerade die Tage haben sie eine Umfrage in Afghanistan gemacht. 75% der befragten Afghanen stimmten der US-Intervention zu. Das scheint mir doch ein wenig mehr zu sein als die 25%, die das anders sehen.
Du solltest Deinen Satz also umformulieren: "...da er nicht auf der Zustimmung des zu stürzenden Diktators und seiner Helfershelfer bzw. Profiteure beruht." Schade nur, daß dann der Liberalismus nicht mehr auf der Seite der Demokratie steht, sondern auf der ihrer Feinde.
Paul13
http://napauleon.typepad.com/nobloodforsauerkraut/
Lediglich die liberal-demokratische Synthese ist „pluralistisch“. und zwar nur dank der liberalen Komponente. (Denn die Demokratie ist im Grunde ein politisches levée en masse.) Man wird zwar meist zur politischen Arbeit nur eingeladen (unabhängig von jeglichem Wissen und Wollen), doch in manchen (liberaldemokratischen) Staaten wird der Nichtwähler gestraft - analog dem Rekruten, der davonläuft.
Die Demokratie Athens, ein permanentes Image d’Epinal der Demokratie während der letzten zweihundert Jahre, verurteilte Sokrates, der die Monarchie pries, und schickte regelmäßig prominente Bürger durch den Ostrazismus ins Exil. (Siehe § 26.) In neuerer Zeit lebte die Demokratie erst in der Französischen Revolution wieder auf, diese wurde nach der Verübung unglaublichster Greueltaten und totalitärer Repressionen zum Vorbild der modernen plebiszitären Tyrannis, die sich direkt durch Worte oder indirekt durch Symbole auf die Französische Revolution berief. Max Horkheimer schrieb im Juli 1939, daß die Ideen der Französischen Revolution notgedrungen zum Nationalsozialismus führen mußten, und der französische Abgeordnete Bernard Antony beschwor seine Kollegen schon im Oktober 1986 im Europa-Parlament, doch nicht die Französische Revolution zu feiern, da diese nicht nur grauenhafte Unmenschlichkeiten verübt, sondern auch die Russische und Deutsche Revolution ideologisch inspiriert und vorbereitet hatte.
Mit gleichen Rechten mußte die Französische Revolution auch gleiche Pflichten verbinden, daher gebar sie die allgemeine Wehrpflicht, was nicht nur zur Aufstellung von Riesenheeren, sondern auch zur Totalisierung des Krieges und zur propagandistisch bearbeiteten „Heimatfront“ führte, die ihrerseits nicht nur wirtschaftliche Opfer bringen mußte. Dieser militärische Kollektivismus mündete dann in den totalen Krieg, der sich vor allein im Luftkrieg manifestierte, da dieser nicht mehr „diskriminierte“, also Frauen, Kinder, Greise und andere Nichtkombattanten gleichermaßen in den Tod schickte - und somit auch das Sterben „demokratisierte“.
Wer jedoch fromm an die „Selbstregierung“ glaubt, sollte als guter Demokrat die Herrschaft einer Regierungspartei („Einheitspartei“) mit hundertprozentigem Zuspruch der Wahlbürger begrüßen; einem echten Liberalen wäre dies alles andere als sympathisch. Hier trennen sich offensichtlich die Wege der Demokratie und des Liberalismus. (Hingegen stellen gewaltige Konzentrationslager in einer Tyrannis dem Volk ein gutes Zeugnis aus: es zeigt die Größe des Dissenses.)
Die Demokratie Athens, ein permanentes Image d’Epinal der Demokratie während der letzten zweihundert Jahre, verurteilte Sokrates, der die Monarchie pries, und schickte regelmäßig prominente Bürger durch den Ostrazismus ins Exil. (Siehe § 26.) In neuerer Zeit lebte die Demokratie erst in der Französischen Revolution wieder auf, diese wurde nach der Verübung unglaublichster Greueltaten und totalitärer Repressionen zum Vorbild der modernen plebiszitären Tyrannis, die sich direkt durch Worte oder indirekt durch Symbole auf die Französische Revolution berief. Max Horkheimer schrieb im Juli 1939, daß die Ideen der Französischen Revolution notgedrungen zum Nationalsozialismus führen mußten, und der französische Abgeordnete Bernard Antony beschwor seine Kollegen schon im Oktober 1986 im Europa-Parlament, doch nicht die Französische Revolution zu feiern, da diese nicht nur grauenhafte Unmenschlichkeiten verübt, sondern auch die Russische und Deutsche Revolution ideologisch inspiriert und vorbereitet hatte.
Mit gleichen Rechten mußte die Französische Revolution auch gleiche Pflichten verbinden, daher gebar sie die allgemeine Wehrpflicht, was nicht nur zur Aufstellung von Riesenheeren, sondern auch zur Totalisierung des Krieges und zur propagandistisch bearbeiteten „Heimatfront“ führte, die ihrerseits nicht nur wirtschaftliche Opfer bringen mußte. Dieser militärische Kollektivismus mündete dann in den totalen Krieg, der sich vor allein im Luftkrieg manifestierte, da dieser nicht mehr „diskriminierte“, also Frauen, Kinder, Greise und andere Nichtkombattanten gleichermaßen in den Tod schickte - und somit auch das Sterben „demokratisierte“.
Wer jedoch fromm an die „Selbstregierung“ glaubt, sollte als guter Demokrat die Herrschaft einer Regierungspartei („Einheitspartei“) mit hundertprozentigem Zuspruch der Wahlbürger begrüßen; einem echten Liberalen wäre dies alles andere als sympathisch. Hier trennen sich offensichtlich die Wege der Demokratie und des Liberalismus. (Hingegen stellen gewaltige Konzentrationslager in einer Tyrannis dem Volk ein gutes Zeugnis aus: es zeigt die Größe des Dissenses.)
Erik,
ganz recht. Da vielleicht der eine oder ander enicht folgen konnte, nochal die Quintessenz herausgestellt:
Hier trennen sich offensichtlich die Wege der Demokratie und des Liberalismus.
Demokratismus ist eine prozedurale Methode um Herrschaft auszuüben. Ohne korrigierende Eingriffe verbleibt der Demokratismus die Tyrannei der Mehrheit, ja sogar der Mehrheit des Poebels. Diesen korrigierenden Eingriff leistet der Liberalismus, der nämlich dem Individuum einen Raum frei von Eingriffen, also auch frei vom demokratischen Zugriff schafft. Das sollte auch Limperialisten eingaengig sein: sie sollten einfach überlegen, ob die Farbe der eigenen Unterhosen dem demokratischen Zugriff unterliegen sollte.
Es kommt auf die ex ante Zustimmung durch das Individuum an. Lustige Zahlen und Umfragen ex post sind nur ein weiteres der von mir schon angesprochenen Ballerinaroeckchen. Und wer will Limperialisten schon im Tutu sehen?
ganz recht. Da vielleicht der eine oder ander enicht folgen konnte, nochal die Quintessenz herausgestellt:
Hier trennen sich offensichtlich die Wege der Demokratie und des Liberalismus.
Demokratismus ist eine prozedurale Methode um Herrschaft auszuüben. Ohne korrigierende Eingriffe verbleibt der Demokratismus die Tyrannei der Mehrheit, ja sogar der Mehrheit des Poebels. Diesen korrigierenden Eingriff leistet der Liberalismus, der nämlich dem Individuum einen Raum frei von Eingriffen, also auch frei vom demokratischen Zugriff schafft. Das sollte auch Limperialisten eingaengig sein: sie sollten einfach überlegen, ob die Farbe der eigenen Unterhosen dem demokratischen Zugriff unterliegen sollte.
Es kommt auf die ex ante Zustimmung durch das Individuum an. Lustige Zahlen und Umfragen ex post sind nur ein weiteres der von mir schon angesprochenen Ballerinaroeckchen. Und wer will Limperialisten schon im Tutu sehen?
Interventionismus ist per se illiberal . . .
It's not too hard (pardon the English) to think of situations where intervention (if not interventionism) is still compatible with libertarian thought.
Private soldiers who freely set out abroad to defend oppressed minorities strike me as one example. As I recall, there was one such mercenary group in sub-Saharan Africa (Executive Outcomes, I believe its name was) that, after some really stunning success, was forced to disband in the face of strenuous and persistent flak from the UN.
(Das haette ich auch im Prinzip im Deutschen schreiben koennen, aber es haette zehn mal laenger gedauert um alles quasi-richtig formulieren zu koennen. Nochmal entschuldigung.)
It's not too hard (pardon the English) to think of situations where intervention (if not interventionism) is still compatible with libertarian thought.
Private soldiers who freely set out abroad to defend oppressed minorities strike me as one example. As I recall, there was one such mercenary group in sub-Saharan Africa (Executive Outcomes, I believe its name was) that, after some really stunning success, was forced to disband in the face of strenuous and persistent flak from the UN.
(Das haette ich auch im Prinzip im Deutschen schreiben koennen, aber es haette zehn mal laenger gedauert um alles quasi-richtig formulieren zu koennen. Nochmal entschuldigung.)
Tanner,
thanks for the comment. You need not worry about writing in English, most Germans understand it quite well. Interventionism is from Latin "intervenire", meaning going in-between. By that it is inferred that the interventionist does not choose sides, is not teaming up with one party, but is following his own plans and intentions. The situation you describe is more like teaming up with one party; more so, it is inferred that there is (tacit) consent. Actions by a third party that have been consented to by one of the parties are, in my opinion, not interventionst.
However, (assumed or tacit) consent is not possible when you intervene large scale as the US are doing in Iraq. There are just too many individuals involved whose consent one cannot be given.
BTW, I have also been to law school in the US. If you like drop me an email. I would really love to hear more from you.
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thanks for the comment. You need not worry about writing in English, most Germans understand it quite well. Interventionism is from Latin "intervenire", meaning going in-between. By that it is inferred that the interventionist does not choose sides, is not teaming up with one party, but is following his own plans and intentions. The situation you describe is more like teaming up with one party; more so, it is inferred that there is (tacit) consent. Actions by a third party that have been consented to by one of the parties are, in my opinion, not interventionst.
However, (assumed or tacit) consent is not possible when you intervene large scale as the US are doing in Iraq. There are just too many individuals involved whose consent one cannot be given.
BTW, I have also been to law school in the US. If you like drop me an email. I would really love to hear more from you.
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