Samstag, Dezember 31, 2005

 

Selbsteigentum: Rothbard'sche Begründung

Jeder Mensch gehört sich selbst und niemand anderem. Sein Körper gehört ihm, so weit sein Wille sich über diesen erstreckt. In früheren Beiträgen habe ich die Herleitungen dieses fundamentalen Axioms von Rand und Hoppe illustriert. Es fehlt jedoch noch die Begründung von Murray N. Rothbard. Rothbard sieht zwei mögliche Lösungen, wem Eigentum an den Menschen zusteht:
Here there are two alternatives: either we may lay down a rule that each man should be permitted (i.e., have the right to) the full ownership of his own body, or we may rule that he may not have such complete ownership. If he does, then we have the libertarian natural law for a free society as treated above. But if he does not, if each man is not entitled to full and 100 percent self-ownership, then what does this imply? It implies either one of two conditions: (1) the “communist” one of Universal and Equal Other-ownership, or (2) Partial Ownership of One Group by Another—a system of rule by one class over another. These are the only logical alternatives to a state of 100 percent self-ownership for all.
Sollte jeder Mensch sich nicht selbst gehören, so bleiben für Rothbard zwei Möglichkeiten übrig. Entweder gehören manche Menschen sich selbst, denen das Eigentum oder Teile des Eigentums an anderen zustehen. In etwa entspricht dies absolutistischen Königen, die die Verfügungsgewalt über ihre Untertanen besnapruchten, selbst aber frei (bzw. nur Gott unterworfen) waren. Oder jedem gehört im gleichen Maß ein Anteil an anderen, wie diesen ein Anteil an einem selbst zusteht; dies entspricht dem, was marxistische Kommunisten vertreten.
Let us consider alternative (2); here, one person or group of persons, G, are entitled to own not only themselves but also the remainder of society, R. But, apart from many other problems and difficulties with this kind of system, we cannot here have a universal or natural-law ethic for the human race. We can only have a partial and arbitrary ethic, similar to the view that Hohenzollerns are by nature entitled to rule over non-Hohenzollerns. Indeed, the ethic which states that Class G is entitled to rule over Class R implies that the latter, R, are subhuman beings who do not have a right to participate as full humans in the rights of self-ownership enjoyed by G—but this of course violates the initial assumption that we are carving out an ethic for human beings as such.
Die absolutistische Ansicht kann keine Grundlage für eine universalistische menschliche Ethik sein. Sie würde Menschen in wertvolles und nicht wertvolles Leben unterteilen und einen Primat mancher Menschen über andere Menschen postulieren.
What then of alternative (1)? This is the view that, considering individuals A, B, C . . ., no man is entitled to 100percent ownership of his own person. Instead, an equal part of the ownership of A’s body should be vested in B, C . . ., and the same should hold true for each of the others. This view, at least, does have the merit of being a universal rule, applying to every person in the society, but it suffers from numerous other difficulties.
In the first place, in practice, if there are more than a very few people in the society, this alternative must break down and reduce to Alternative (2), partial rule by some over others. For it is physically impossible for everyone to keep continual tabs on everyone else, and thereby to exercise his equal share of partial ownership over every other man. In practice, then, this concept of universal and equal other-ownership is Utopian and impossible, and supervision and therefore ownership of others necessarily becomes a specialized activity of a ruling class. Hence, no society which does not have full self-ownership for everyone can enjoy a universal ethic. For this reason alone, 100percent self-ownership for every man is the only viable political ethic for mankind.
Die kommunistische Eigentümerschaft aller an allen muß jedoch aus praktischen Gründen scheitern. Denn es ist unmöglich, den Eigentumsanteil an jedem anderen fortdauernd zu überwachen. Eigentum beinhaltet die Möglichkeit der Kontrolle. Eine Kontrollausübung zu jeder Zeit über jeden anderen Menschen ist nicht denkbar. Nach Rothbard bleibt daher Gemeineigentum aller an allen zwar denkmöglich, praktisch und tatsächlich aber undurchführbar.
Rothbards Herleitung des Selbsteigentums erfolgt daher in einem Ausschlußverfahren. Keine andere Möglichkeit als Selbsteigentum des Menschen an sich selbst kommt in Frage.
An einem Sylvestertag wie diesem erarbeiten sich viele Vorsätze für das neue Jahr. Ganz gleich, was man für sich selbst hofft und wünscht, wäre es aus meiner Sicht schön, wenn die Achtung des Selbsteigentums der Mitmenschen dieses Jahr hoch im Kurs stehen würde. Ein frohes und gesundes neues Jahr 2006 wünsche ich allen Lesern.

Donnerstag, Dezember 29, 2005

 

Politische Umfragen sind doch immer wieder lustig!

Unter www.politexi.de findet sich eine Umfrage von Studenten des Faches "Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften" an der Universität Duisburg-Essen. Leider beweist die Umfrage, daß an den Universitäten selbst heute noch im altbekannten links-rechts Schema gedacht wird. Wie dies Liberale von einer sinnvollen Beteiligung an Umfragen ausschließt, zeigen die von mir vor einiger Zeit eingestellten Links zu einer zweidimensionalen Einordung politischer Strömungen. Hier gibt es auch ein Update durch einen Hinweis auf einen neuen Politiktest. *Klick*

Wenigstens hat Politexi einen kurzweiligen Zeitvertreib auf Lager.

Mittwoch, Dezember 28, 2005

 

Medien, Enteignung und Eigentum

Mal ehrlich: wer versteht schon die Verwicklungen zwischen staatlicher Aufsicht, Landesmedienanstalten und Medienkonzernen? Wohl kaum einer. Der erzliberale Leser hat sicherlich ein Gespür dafür entwickelt, was diesbezüglich in Deutschland alles falsch laufen könnte. Bestätigt wird dieses Gespür durch einen Artikel aus der FAZ. Zwar ein wenig reisserisch, vielleicht auch Partei für den Springerkonzern ergreifend, aber doch erhellend wird dargelegt, wie die KEK den Springer-Konzern enteignen will. Faktisch will die KEK der Springer AG die Kontrolle über das Eigentum an ihren Fernsehsendern entziehen. Dies ist ein äußerst bedenklicher Vorgang, ist doch die Presse- und Rundfunkfreiheit eines der wichtigsten Grundrechte, das der deutsche Staat seinen Bürgern zubilligt. Am Rande sei noch die aufschlussreiche Verwendung des Wortes Enteignung durch den Autor der FAZ bemerkt. Der Autor erkennt an, dass eine Enteigung auch dann vorliegen kann, wenn das formaljuristische Eigentum beim Eigentümer verbleibt, diesem jedoch die Kontrolle über sein Eigentum entzogen wird.

 

Die Geister, die Immer Wieder Gerufen Werden

Angesichts der Massenarbeitslosigkeit in Deutschland ist es angebracht zu fragen, warum denn die deutschen Unternehmen in großen Horden das Heimatland nahezu fluchtartig verlassen und ihr Glück im Ausland versuchen? Was bewegt diese Unternehmen auf den gut ausgebildeten, motivierten, deutsch sprechenden Arbeitnehmerstamm und exzellente Infrastruktur zu verzichten und das Risiko einer Auslandsniederlassung zu wagen? Auslandsgeschäft ist kein Auslandsurlaub. Es ist ein komplexes Unterfangen, mit extrem hohen finanziellen Risiken. Die Verlagerung der gesamten Produktionsinfrastruktur ins Ausland und der Aufbau einer permanenten Präsenz dort, die Millionen Euro an Investitionen kosten, sind extrem risikoreich. Die Alternative dazu ist offensichtlich noch kostspieliger und risikoreicher: sicherer Ruin in Deutschland.

Aber was haben die Niedriglohnländer, was wir nicht haben? Eben diese niedrigen Löhne. Auslandsniederlassungen versprechen niedrigere Produktionskosten, höhere Gewinne, folglich solide finanzielle Grundlage für langfristige Investitionen und höhere Produktivität.

Der Anschluss solcher Bevölkerungsreichenländer wie China und Indien an den Weltmarkt hat das totale Angebot an Arbeitskräften sehr stark erhöht. Darüber hinaus, die Bewegung der Güter wurde dank verbesserter und kostengünstiger Transport- und Kommunikationswege entscheidend erleichtert. Rein technisch gesehen, ist es heutzutage viel einfacher geworden eine Fabrik aufzubauen, die nötigen Kapitalgüter zu transportieren und fertige Güter in der ganzen Welt zu verkaufen. Der entscheidende Vorteil in der Produktivität der westlichen Arbeitnehmer, die im Wesentlichen auf die größere Kapitalakkumulation der westlichen Welt zurück zu führen ist, wird angesichts der stark gefallenen Transportkosten immer weiter schwinden. Die Lohnkosten sind der wichtigste Wettbewerbsvorteil geworden. Der technische Fortschritt, die relative politische Stabilität in den bevölkerungsreichen Ländern haben den Menschen einen Zugang zu Weltmärkten gewährt. Die niedrigen Löhne locken die Unternehmen wie ein Magnet an.

Diese Fakten suggerieren für uns in Deutschland eine offensichtliche Strategie gegen die grassierende Massenarbeitslosigkeit. Die Einführung des freien Marktes und die wirtschaftlichen Interessen der Arbeitslosen und Arbeitgeber würden die Löhne bis zum Vollbeschäftigungsniveau absenken, so dass es sich nicht mehr löhnen würde die deutschen Standorte und Arbeitsplätze aufzugeben! Erlaubt den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt und es wird kein Einziger ohne eine Arbeit auskommen müssen!

Die Eingliederung aller Menschen in den weltweiten Arbeitsmarkt setzt eine Senkung des Durchschnittslohnes überall auf der Welt voraus. Dies ist der einzige Weg, um aus der Massenarbeitslosigkeit auszubrechen und den Menschen auf der ganzen Welt Arbeit und Hoffnung für eine bessere Zukunft zu geben. In Deutschland ist man jedoch besser beraten, solche Empfehlungen nicht in aller Öffentlichkeit auszusprechen, möchte man nicht als Hasser der Arbeiterschaft und sozialen Friedens abgestempelt werden. Man zieht lieber vor, über diese offensichtliche und mit der Freiheit und Würde kompatible Lösung zu schweigen.

Aber die Realität hat für die Ignoranz der Politik und der überwiegende Teil der Bevölkerung nur ein schwaches Gehör. Die Massenarbeitslosigkeit steigt indes immer weiter und für mehr und mehr Menschen erscheint ihre Zukunft aussichtsloser. Eins muss angesichts all dem klar verstanden: die Massenarbeitslosigkeit ist keine metaphysische Erscheinung. Nein, es ist ein von Menschen geschaffenes Produkt. Es ist ein Produkt der Ignoranz. Die Ignoranz ist wiederum nichts anders als das Produkt eines falschen konzeptionellen Verständnisses genau dieser wirtschaftlichen Realität.

In der Wirtschaftswissenschaft sind es vor allem die Geister von Marx und Keynes, die die Lebendigen nicht in Ruhe lassen. Aber die Geister kommen nur selten uneingeladen. Sie müssen immer wieder gerufen werden.

In Deutschland ist Peter Bofinger, Professor der Volkswirtschaftslehre an der Uni Würzburg, Mitglied des Sachverständigen Rates und der Keynes-Gesellschaft, einer von Keynes-Schamanen. Er, wie damals Keynes, sieht in der schwachen Binnennachfrage die Ursache aller wirtschaftlichen Probleme, inklusive der Arbeitslosigkeit. Erhöhe die Binnennachfrage, am besten mittels der höheren Löhne, und die Rentabilität und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen wird sich schon irgendwie verbessern. Die Attraktivität des Vorschlages ist obendrein, und für viele gerade deswegen, im Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit, soziale Wärme und sozialen Frieden kaum zu überbieten. Der wunderbare Vorschlag wird wohl wahrscheinlich wegen seiner wunderbaren Konsequenzen nicht verwirklicht. Man vermutet stark, dass es die bösen neo-liberalen Kräfte am Werk sind, die im Wege zur Vollbeschäftigung und sozialen Wärme stehen. Offensichtlich fehlt es nur am politischen Wille, um den Feinden der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit den Rückgrad zu brechen; alles andere haben die Bofingers offensichtlich schon im Kasten.

Genial einfach und einfach genial? Falsch, bescheuert einfach und einfach bescheuert. Ein solcher Trick, sollte er die Realität werden, würde fast übernacht zu mehr Arbeitslosigkeit führen.

Folgende ökonomischen Überlegungen können als Gegengewicht zu Bofingers Ausführungen geboten werden. Die Lohnerhöhung, gesamtwirtschaftlich gesehen, kann nur auf Kosten der Ausgaben für Kapitalgüter und/oder der privaten Konsumausgaben der Unternehmer und Kapitalisten erfolgen. Dazu siehe gleich unten das Kreislaufdiagramm.






Das gesamtwirtschaftliche Transaktionsvolumen [im Diagramm als „Demand for Products of Business (Sales Revenues) bezeichnet wird], welches sich aus der Summe aller verkauften Güter und Dienstleistungen (auch der Arbeitsleistungen) zusammensetzt, kann zu gegebenen Preisen und Löhne nur so viel Güter und Arbeitsangebot unterstützen. Ferner, die Größe des Transaktionsvolumens hängt genau proportional von der Geldmenge ab.

Um den Sachverhalt klarer zu machen, nehmen wir an, dass in einem Jahr, und bei konstanter Umlaufgeschwindigkeit, die Geldmenge auf $1000 begrenzt ist. Diese $1000 kommen einerseits als Umsätze aus dem Verkauf von Konsumgütern und Kapitalgütern (und entsprechenden Dienstleistungen) in die Hände der Unternehmer und Kapitalisten. Andererseits werden diese Umsatzerlöse für den Erwerb von Kapitalgütern, für die Lohnzahlungen und für die Konsumausgaben der Unternehmer und Kapitalisten verwendet. Im Diagramm wird das Letztere als „Aggregate Spending of Businessmen and Capitalists“ angegeben.

Nun, es ist zwar richtig, dass die höheren Löhne die Konsumausgaben zu erhöhen in der Lage sind, aber auf wessen Kosten? Auf Kosten der privaten Konsumausgaben der Unternehmer und Kapitalisten? Wohl kaum, denn wer würde seine Konsumausgaben freiwillig einschränken wollen? Außerdem, sind diese Ausgaben niemals höher als 20% der gesamten Konsumausgaben. Die einzige Geldquelle, im wahrsten Sinne des Wortes, sind die Ausgaben für Kapitalgüter.

Aber ist die Erhöhung der Löhne auf Kosten der Ausgaben für Kapitalgüter möglich oder gar sinnvoll? Weder noch. Eine hohe Nachfrage nach Kapitalgütern bietet den einzigen Weg für Kapitalakkumulation und folglich für das progressive Wachstum der Arbeitsproduktivität an. Sollte die Nachfrage nach Kapitalgütern mittels der Lohnerhöhungen vermindert werden, so würde die Produktivität deutscher Arbeitnehmer fallen und der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmer empfindlich geschadet. Die Unternehmer würden also alles daran setzen, um ihre Ausgaben für Löhne und Gehälter nicht auf Kosten ihrer notwendigerweise relativen Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Unternehmen würden eher Entlassungen vornehmen, oder in die Billiglohnländer abwandern, als ihre Firmen in sicheren Ruin zu treiben.

Die Bofingers, folgend ihrem intellektuellen Vater Keynes, verstehen, oder wollen gar nicht verstehen, dass die höheren Löhne/Konsumausgaben die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht erhöhen können. Um die Vollbeschäftigung zu erreichen, muss eine Balance zwischen dem gesamtwirtschaftlichen Transaktionsvolumen und der Lohnsumme erreicht werden. Dies ist der einzige Weg zu mehr Beschäftigung und Wachstum.







Freitag, Dezember 23, 2005

 

Weihnachten, Steuer und beste Wuensche


Liebe Leser,

das Jahr neigt sich dem Ende. Erfreulicherweise hat es die für mich zuständige Finanzverwaltung noch geschafft, mir heute - rechtzeitig vor dem Fest - einen Steuerbescheid zuzustellen. Allen Lesern von erzliberal.de wünsche ich ein frohes Fest und auch einen schönen Gruß an die Finanzverwaltung.

Montag, Dezember 19, 2005

 

Warum Du ein Libertärer bist!

Einer der Gründerväter des modernen amerikanischen Libertarismus[1] schreibt einen schönen Artikel Why You Are a Libertarian auf lewrockwell.com. Helmut Kohl dagegen war sicherlich kein Libertärer. Wider die Schwammigkeit!

[1] Der klassische amerikanische Libertarismus geht zurück auf Jefferson.

Donnerstag, Dezember 15, 2005

 

Poesie: Big Brother komm in unser Haus

Big Brother, komm in unser Haus,
und schalte das Private aus,

beim DSL, da schau mir zu,
pass auf, dass ich nichts Böses tu

Denn Fax und Handy reicht dir nicht,
auf Mail und Web bist Du erpicht.

(Frei nach "Christkindchen, komm in unser Haus")

von Scheuklappe
[gefunden bei heise]

Dienstag, Dezember 13, 2005

 

Franz Schlegelberger - Jurist im Dienste des Unrechts über den Liberalismus

Ich lese gerade in Michael Försters "Jurist im Dienst des Unrechts" folgende Passage:
Auch mit seinen zahlreich veröffentlichten Beiträgen gesellte sich Schlegelberger zu jenen Gelehrten, die sich trotz der Drangsalierung der jüdischen Kollegen in Beifallsbekundungen zum Regime überboten und das neue Deutschland, das Bücher verbrennen ließ, willkommen hießen. Schlegelberger begrüßte die neue Politik der Nationalsozialisten, weil er der parlamentarischen Demokratie der vergangenen Jahre überdrüssig war und insbesondere weil er ein Feind des Liberalismus war. In einem im amtlichen Organ des Reichsjustizministeriums "Deutsche Justiz" von ihm veröffentlichten Rückblick auf die Reichsentwicklung im ersten jahrder nationalsozialistsichen Machtergreifung beschrieb er das Ziel der neuen Rechtsentwicklung: "die entschiedene Abkehr vom Individualismus und seiner politischen Ausprägung, dem Liberalismus". ... Den Kampf gegen den Individualismus und damit den politischen Liberalismus, wie er selbst geschrieben hatte, wollte er auf einem anderen Terrain führen, im Zivilrecht.

 

Energiesektor und Gesetz des Interventionismus

Es läuft doch immer gleich ab. Man entläßt Unternehmen aus staatlichen Monopolen. Man behält sich vor, den Wettbewerb zwischen diesen Unternehmen zu regulieren. Man schafft die Voraussetzungen dafür, daß sie für feherhafte Versorgung nicht haften müssen. Dann passieren Fehler, wie das nunmal im Leben so ist, denn Risiken können sich bewahrheiten. Dann schiebt man den schwarzen Peter dem "freien Markt" zu. Anschließend ruft man wieder nach Verstaatlichtung. Es gilt die alte Mises'sche Regel, daß Interventionismus weiteren Interventionismus nach sich zieht. Der Kapitalismus hat einen schweren Stand in Deutschland.

Montag, Dezember 12, 2005

 

Sind Läufer die besseren Libertären?

Michael schreibt in der Freiheitsfabrik nun wiederholt über das Laufen. Auch ich laufe gern. Dennoch muss ich Michael widersprechen. Denn ich bin ebenso überzeugter Mannschaftsportler. Michael setzt Mannschaftssport gleich mit Sportarten, die einen Gegner benötigen. Natürlich gibt es auch individuell ausgeübte Sportarten, die zwingend einen Gegner voraussetzen, z.B. Tennis und andere Sportarten mit Schlägern. Seine Kritik geht an dieser Stelle m.E. leicht neben die Sache.

Auch an anderer Stelle muss ich widersprechen. Gerade am Wochenende haben wir wieder verloren - leider im Nachbarschaftsderby. Und ja, wie Michael richtig feststellt, braucht man zum Verlieren einen Gegner. Dieser ist jedoch nicht die Vorstufe zum Feind, wie Michael meint. Hätte ich, der ich durchaus mit nötiger Härte (und Spaß an dieser) zur Sache gehe, danach mit den Nachbarn ein Bier trinken können? Hätte ich den Gegnern nach dem Spiel die Hand reichen können? Wohl nicht. Mannschaftssport macht aus Gegnern nicht notwendigerweise Feinde. Ebensowenig trifft es zu, dass Läufer untereinander bloss Konkurrenten sind. Auch der Konkurrent kann zum erbitterten Feind werden: da gibt es Läufer, die benutzen die Ellbogen, überrundete machen nicht die Ideallinie frei und abseits der Strecke fallen böse Worte nicht weniger als bei Mannschaftssportlern.

Zurück zur Härte. Michael behauptet:
Der Zweck heiligt die Mittel und die Blutgrätsche ist manchmal besser angebracht, als der Versuch selbst ein Tor zu schießen. Mannschaftssport mit Körperkontakt eben. Das Aufputschen, indem man den Gegner zum Feind macht, gehört dazu.
Natürlich heiligt der Zweck nie die Mittel, ein Prinzip, das Libertäre leben sollten. Mannschaftssportarten leben von Regeln und jeder Regel�bertritt wird bestraft, ganz wie es im Leben auch sein sollte. Das Besondere ist, daß dieses Prinzip auf dem Platz (in meinem Fall: der Halle) Libertarismus-konform umgesetzt wird. Denn man einigt sich auf einen Schiedsrichter und jeder unterwirft sich freiwillig den Regeln des Spiels. Diese gelten für alle! Wer die Regeln bricht, trägt Konsequenzen, denen er selbst zugestimmt hat, indem er am Spiel teilgenommen hat. Mannschaftssport ist daher ein Idealmodell dafür, wie eine auf Freiwilligkeit beruhende Gesellschaft beschaffen sein kann. Eine solche Gesellschaft ist beschaffen aus miteinander kommunizierenden, interagierenden Individuen--nicht aus einsam vor sich hin laufenden Eremiten.

Abschließend: Meine verteidigung des Mannschaftsports gilt natürlich nur für Handballer wie mich. Wenn Michael mit seiner Kritik Fußballer meint, dann liegt er natürlich voll im Schwarzen ...

Sonntag, Dezember 11, 2005

 

Blick aus Grossbritannien auf ...

... die USA, China, Indien, Europa und den Platz, den Großbritannien einnimmt. Eine sehr aufschlussreiche Rede mit Hayek'schem Hintergrund. Unbedingt lesen!

Samstag, Dezember 03, 2005

 

David Friedman über Minimalstaat, Anarcho-Kapitalismus, Eigentumsrechte und Ethik

Friedmans Ideal

Im Kapitel 33 in “Machinery of Freedom“, David Friedman unternimmt einen Versuch seinem Anarcho-Kapitalismus eine ethische Rechtfertigung zu geben. Nach seiner Auffassung, Anarcho-Kapitalismus würde besser als Minimalstaat funktionieren, weil im Anarcho-Kapitalismus, so denkt Friedman, jeder einzelne seine eigene subjektiv empfundene Gerechtigkeit nachfrage würde. Als Anbieter der Gerechtigkeiten zum Discountpreis würden sich zahlreiche Sicherheitsunternehmen und Arbitragegerichte zur Verfügung stellen.

Ich werde im Folgenden das Problem der internen Dynamik einer anarcho-kapitalistischen Gesellschaft zunächst ausblenden. Ich beschränke mich auf Friedmans Vorstellung von multiplen Gerechtigkeiten.

Für Friedman stehen Ethik und Gerechtigkeit konzeptionell auf der gleichen Stufe wie jedes andere subjektiv empfundene „end“. Für ihn gibt es keinen grundlegenden Unterschied zwischen ihnen. Nun, dies soll nicht lediglich eine positive Beschreibung der Realität sein. In der Tat, Menschen unterscheiden sich oft in ihrem Verständnis von Ethik und Gerechtigkeit. Für Friedman ist ein solcher Zustand zumindest nicht zu beanstanden. Er denkt, dass in der Welt mit divergierenden ethischen Vorstellungen Anarcho-Kapitalismus sich geradezu als eine natürliche und logische Alternative anbietet! Genauso wie Kapitalismus eine schier unbegrenzte Vielfalt von Produkten und Dienstleistungen, Beschäftigungsmöglichkeiten und Produktionsprojekten zulässt, so würde auch Anarcho-Kapitalismus einen fröhlichen Pluralismus bei der Bereitstellung von „Gütern“ Ethik und Gerechtigkeit gewährleisten.

Hätten Sie Ihre Gerechtigkeit lieber verpackt oder geht es ohne…?

Wenn Kapitalismus viel „konsumentenfreundlicher“ als Sozialismus bei der Bereitstellung von ordinären Gütern ist, warum dann nicht gleich alles den Marktkräften überlassen, fragt Friedman. Für Friedman ist der Minimalstaat im Hinblick auf die Bereitstellung von Gut Gerechtigkeit genauso gut oder „effizient“ wie Anarcho-Kapitalismus, vorausgesetzt alle oder die Mehrheit der Bevölkerung eine einzige objektive (objective) Gerechtigkeit wählt.

“This argument assumes that the limited government is set up by a population most or all of whose members believe in the same just principles of law. Given such a population, anarcho-capitalism will produce that same uniform, just law; there will be no market for any other. But just as capitalism can accommodate to a diversity of individual ends, so anarcho-capitalism can accommodate to a diversity of individual judgments about justice.”

Und um seiner Argumentation größeres Gewicht und Pfeffer zu verleihen, behauptet Friedman, in seinem lässig-fröhlichen Still, dass Sozialismus nicht nur möglich, sondern genauso gut wie Kapitalismus sei, vorausgesetzt die Bürger wären sich einig über das „common goal“, was auch immer das sein mag.

“An ideal objectivist society with a limited government is superior to an anarcho-capitalist society in precisely the same sense that an ideal socialist society is superior to a capitalist society. Socialism does better with perfect people than capitalism does with imperfect people; limited government does better with perfect people than anarcho-capitalism with imperfect. And it is better to wear a bikini with the sun shining than a raincoat when it is raining. That is no argument against carrying an umbrella.“

Und jetzt Friedmans Analyse noch ein Mal in kompakter Form.

1) Sozialismus funktioniert, wenn alle die gleichen Ziele (ends) haben.

2) Kapitalismus, hier stellvertretend für das Minimalstaatmodel, funktioniert besser als Sozialismus, wenn die Menschen hinsichtlich der ordinären Güter, wie Kaugummis, Bikinis, Autos usw., divergierende Präferenzen haben, aber eine gemeinsame (objektives) Ethik besitzen.

3) Anarcho-Kapitalismus funktioniert besser als Sozialismus und Kapitalismus, wenn die Menschen absolut durch gar keine gemeinsame Ziele oder Wertvorstellungen verbunden sind.

4) Und als Krönung von Friedmans Logik: Sozialismus, Kapitalismus und Anarcho-Kapitalismus „funktionieren“ gleich gut, wenn alle oder die Mehrheit der Bevölkerung die gleichen Ziele (ends) haben. Die Schlussfolgerung: Da Anarcho-Kapitalismus nicht nur Unterschiede bei individuellen Zielen (ends) zulässt, sondern auch nichts gegen eine perfekten Konsensus haben würde, ist dieses System für alle Lebenslagen das Geeignete. Und da wir in einer Welt leben, wo es nicht nur divergierende Präferenzen hinsichtlich der normalen Güter gibt, sondern auch in ethischen Fragen, fällt die Wahl wahrlich nahezu kinderleicht aus.

Es ist wirklich bemerkenswert wie viel Unsinn man auf so einen kleinen Raum zusammenwerfen kann. Die ganze Analyse ist eine Kombination von willkürlichen Annahmen, dubioser Logik und ethischem Subjektivismus. Ich habe weder Zeit noch Lust das Durcheinander in seiner Beweisführung Stück für Stück aussortieren. Es lässt sich jedoch eines klar feststellen. Friedman ist ein typischer Anarchist oder als Ayn Rand die Spezies trefflich bezeichnet hat – „whim worshiper“. Es darf nichts zwischen ihm und seiner Laune oder Kapricen stehen -- seine Gefühle sind für ihn „irreducible primaries“. Für ihn hat Gerechtigkeit die gleiche Bedeutung, den gleichen Rang wie für mich gelbe Bikinis.

Der Status des Individuums und Eigentumsrechte in der Anarchie

Inmitten dieses „whim worshipping“ Paradieses tauchen jedoch plötzlich Eigentumsrechte als angeblich die einzige Sache, die von allen normal Denkenden anerkannt und respektiert wird. Aber wenn jedes Verhalten, jede Laune und Kaprice im Prinzip gleich gut sind, welchen besonderen Wert haben dann das Leben oder das Eigentum eines einzelnen Individuums? Präzise. Im Anarcho-Kapitalismus, sollte ein solches System mit all seinen essentiellen Attributen Realität werden, würde es keine objektiven Standards für gut oder böse, für Recht oder Unrecht geben. Die Logik des Anarcho-Kapitalismus als gesellschaftspolitisches Ideal verbietet jegliche Form von Objektivität. Die Sicherheitsunternehmen werden genau das Recht verkaufen, welches ihre Kunden für Recht halten. Wenn Kunden eines Sicherheitsunternehmers aus religiösen oder anderen Überzeugungen in ihrem subjektiven Gerechtigkeitsverständnis Menschenopfer praktizieren oder Frauen oder unorthodoxe Ideen unterdrücken, wer würde sie davon abhalten können? Aufgrund welches Prinzips?

Es ist genau aus diesem Grund, dass Anarcho-Kapitalismus kein stabiles System sein kann. Dieses System ist eine von der Realität völlig abgeschnittene Abstraktion. Es ist absurd einen allumfassenden Subjektivismus zu predigen und gleichzeitig vom Absolutismus der Eigentumsrechte zu träumen.

Keine einzelne soziale Formation hat in der Geschichte der Menschheit je ohne gemeinsame Wertvorstellungen existiert. Ein Mensch kann nicht ohne Ethik oder Philosophie leben. Die Frage ist welche Ethik oder Philosophie wird er letztendlich adoptieren und praktizieren. Eine rationale, welche mit der Realität im Einklang steht oder eine irrationale, die über kurz oder lang eine Zerstörung dieses Individuums herbeiführen wird?

Die Mystiker, die ihre Wertvorstellungen aus heiligen Schriften oder Schamanentänzen schöpfen, leben nach ihrer eigenen mystischen Ethik. Für Mystiker sind Rechte eines einzelnen nur zweitrangig, wenn überhaupt relevant. Alles was für sie zählt sind Offenbarungen ihrer Götter. Die Nationalisten und Rassisten platzieren das Wohl der Nation oder Rasse oder die „Reinheit“ des Blutes über das Wohl eines einzelnen Individuums. Für Kollektivisten ist das Wohl der „Gesellschaft“ oder „Familie“ oder ihres „Stammes“ der ethische Standard. All diese Ideologien und Wertvorstellungen haben eines gemeinsam, sie stehen im Widerspruch zur Realität und menschlicher Natur.

Nun, wie ich die politische Philosophie des Anarcho-Kapitalismus verstanden habe, all das würde einen legitimen Platz innerhalb der Anarchie haben und gleichberechtigt sein. Das einzige, was darin faktisch keinen Platz finden würde ist das Individuum und seine (Eigentums)rechte.


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