Sonntag, Juni 26, 2005

 

Hockey-Stick und erwachtes staatliches Interesse

Das Committee on Energy and Commerce hat neuerliche Zweifel (in verschiedenen naturwissenschaftlichen Zeitschriften veroeffentlich) an der Hockeystick-These Prof. Manns zur Klimaerwaermung zum Anlasse genommen, eine Untersuschung einzuleiten. Die Briefe an IPCC und Prof. Mann sowie andere koennen hier nachgelesen werden.

Samstag, Juni 25, 2005

 

US Militaer startet Datamining von Schuelern

Das US-Militaer setzt bei seiner Nachwuchs-Suche auf kommerzielles Datamining, wie Heise berichtet. Unter kombiniertem Einsatz staatlicher und privater Mittel versucht man, die in staatlichen Schulen indoktrinierten Schueler dazu zu bewegen, ihr Leben fuer ein Land zu riskieren, das es auf seine ganz eigene Weise grossartig versteht, den Menschen im Irak Frieden und Demokratie naeher zu bringen. Hut ab vor dieser Meisterleistung!

Dienstag, Juni 21, 2005

 

(A)Soziale Nationalisten

Die Sueddeutsche berichtet, dass einer neuen Studie zufolge rechtsextreme Einstellungen unter Gewerkschaftsmitgliedern genauso weit verbreitet seien wie unter Nicht-Mitgliedern. Ausserdem berichtet die SZ:
Unter den Gewerkschaftern aus der Mittelschicht ist die Rechtslastigkeit mit 19 Prozent deutlich stärker als unter nicht organisierten Arbeitnehmern, die ihnen bei Einkommen und Bildung sonst gleichen (13 Prozent). Gerade Mittelschicht-Angehörige aber bilden das Rückgrat der Gewerkschaften.
Wen wuerde es erstaunen? Soziale Nationalisten und nationale Sozialisten liegen eben nicht nur semantisch nah beieinander. Auch inhaltlich gibt es Ueberschneidungen. Der juengste Beleg ist Lafontaines peinliche Fremdarbeiterbemerkung. Peinlich ist diese nicht fuer ihn (koennte dieser Mann denn ueberhaupt noch peinlicher werden?), sondern fuer die PDSWASGMLPD, wird doch offensichtlich, welche Art von Klientel angesprochen werden soll.


Montag, Juni 20, 2005

 

Terry Pratchett und Soul Music

Ein weiteres Mal kann ich nicht widerstehen, ein Zitat aus einem von Pratchetts Buechern, Soul Music (S. 227), zum Besten zu geben:
Rats had featured largely in the history of Ankh-Morpork. Shortly before the Patrician came to power there was a terrible plague of rats. The city council countered it by offering twenty pence for every rat tail. This did, for a week or two, reduce the number of rats--and then people were suddenly queuing up with tails, the city treasure was being drained, and no one seemed to be doing much work. And there still seemed to be a lot of rats around. Lord Vetinari (the Patrician) had listened carefully while the problem was explained, and had solved the thing with one memorable phrase which said a lot about him, about the folly of bounty offers, and about the instinct of Ankh-Morporkians in any situation involving money: " Tax the rat farms."
Und nein, Terry Pratchett zeigt keine Vorliebe fuer Steuern (was man im gleichen Buch ab S. 297 nachlesen kann), sondern nur die Auswirkungen von Subventionen auf das menschliche Handeln: Wenn ich Handlungen subventioniere, dann bekomme ich am Ende mehr von diesen Handlungen.

Freitag, Juni 17, 2005

 

China, Marktwirtschaft, Oel und fiat money

Als jemand, der um die Unmoeglichkeit einer geplanten bzw. interventionistischen Wirtschaft weiss, bin ich mir bewusst, dass die chinesische Wirtschaft in grossen Teilen zentral gesteuert wird. Es handelt sich noch lange nicht um eine Marktwirtschaft. Der Boom, den China jetzt erlebt und von dem alle Welt schwaermt (was an sich schon ein Warnsignal ist) erscheint mir daher vor dem Hintergrund der Lehren von Mises, Hayek und Rothbard (theory of the evenly rotating economy) zerbrechlich. Er kann vom einen auf den anderen Tag enden, ganz besonders auch wegen der weitgehend bekannten Problematik von durch Chinesen gehaltenen Dollaranlagen. Welche Auswirkungen hat der auf den Boom folgende Bust der chinesischen Wirtschaft auf die Welt und insbesondere auf das eigene finanzielle Wohl. Vielfach wird von namhaften Oesterreichern die Anlage in Rohstoffen empfohlen. Diese Analyse geht jedoch von einem boomenden China aus. Beruecksichtigt man einen chinesischen Bust, so hat das Auswirkungen auf die chinesische Rohstoffnachfrage. Hinsichtlich des globalen Rohstoffbedarfs kommt eine Analyse von Morgan Stanley zu dem Ergebnis, dass die Nachfrage und der Preis von Rohoel einbrechen werden. Ein solcher Zusammenbruch waere nicht auf Rohoel beschraenkt, sondern muesste sich auf alle Rohstoffe auswirken, in denen der Boom durch die bislang anziehende Nachfrage aus China ausgeloest worden ist. Die einzig vor globaler Rezession schuetzende Anlage waere eine Investition in Gold. Passend zum gestrigen Ausbruch des Goldpreises aus seiner bisherigen Handelsspanne dokumentiere ich daher auf diesem Blog ab jetzt in der linken Navigationsleiste den taeglichen Goldpreis.

Mittwoch, Juni 15, 2005

 

Bildung und Arbeitslosigkeit

Nach einer Meldung von n-tv.de ist Bildung ein Garant fuer bessere Chancen einen Arbeitsplatz zu finden:
"Nach IAB-Erkenntnissen war im Jahr 2004 jeder fünfte Bundesbürger ohne Berufsabschluss im Erwerbstätigen-Alter arbeitslos, im Osten sogar jeder zweite. 'Dahinter steht ein lang anhaltender Abbau von Einfacharbeitsplätzen, der selbst in Zeiten mit hohem Wirtschaftswachstum bestenfalls gebremst verlief, aber nicht aufgehalten wurde', heißt es in der Studie. Selbst eine kräftige Konjunkturbelebung dürfte die Lage der Gering-Qualifizierten kaum verbessern."
Sieht man korrekterweise den falsch verstandenen Sozialstaat und andere Regulierungen als Ursache fuer Arbeitslosigkeit an, so muss man zu dem Ergebnis kommen, dass gerade diejenigen, welche angeblich durch ihn geschuetzt werden sollen, ohne den Sozialstaat deutlich besser dran waeren.

 

Milton Friedman ueber den Krieg

Von der Linken werden die Vertreter der Chicago-School, manchmal abfaellig als Chicago-Boys bezeichnet (und auch F.A. Hayek wird dazugeworfen, obwohl er mit der Chicago-School nichts gemeinsam hat), gern als Wegbereiter bzw. Mittaeter eines faschistischen Regimes in Chile bezeichnet. Wie Milton Friedman zu Krieg und Gewalt wirklich steht, verraet er in einem Interview. Dort heisst es:
"War is a friend of the state," Friedman said. It is always expensive, requiring higher taxes, and, "In time of war, government will take powers and do things that it would not ordinarily do."

Dienstag, Juni 14, 2005

 

Neue Dissertation zum Ursprung des Staates

Bei Mohr Siebeck ist "Der Ursprung des Staates" von Jan Rolin erschienen.
Worauf beruht der Staat bzw. staatliche Herrschaft? Wie sieht rechtmäßige staatliche Herrschaft aus und wie ist ihr Umfang zu legitimieren bzw. zu begrenzen? Jan Rolin untersucht Theorien zum Ursprung des Staates in zahlreichen staatstheoretischen Schriften der Neuzeit. Er verfolgt dabei einen ideengeschichtlichen Ansatz, der die Forderungen der sog. Neuen Ideengeschichte - u.a. eine konsequente Ausweitung und Kontextualisierung der Quellenbasis - konsequent umsetzt. Die Analyse beschränkt sich nicht auf die Auswertung von Texten der großen bekannten Autoren, sondern erfasst auch weniger bekannte. Inhaltlich beschränkt sich die Arbeit nicht auf einen Überblick über die Entwicklung der naturrechtlich-rechtsphilosophischen Lehren zur Legitimation von Staat und Staatsgewalt im 18. und 19. Jahrhundert, sondern widmet sich auch der Analyse der Entwicklung zentraler Topoi unserer modernen politisch-sozialen Sprache, etwa Freiheit, Souveränität, Verfassung, Volk und Nation und der Frage nach dem Zweck des Staates. Dabei zeigt sich, dass sich das moderne Rechts- und Verfassungsstaatsdenken in der politischen Theorie Deutschlands erst am Ende des 18. Jahrhunderts durchzusetzen begann.

Sonntag, Juni 05, 2005

 

Terry Pratchett, der Zeitdieb und seine Zitate

Ich bin grosser Terry Pratchett-Fan und liebe seine Scheibenwelt-Romane. Passenderweise dringt Pratchetts Blick der Welt auch in seinen Buechern durch die Oberfläche und ergiesst sich auf die Seiten. Einige ausgewählte Zitate aus Der Zeitdieb möchte ich an dieser Stelle anbringen:
"Wen dachte ueber die Natur der Zeit nach und begriff, dass das Universum von Augenblick zu Augenblick neu erschaffen wird. Deshalb, so wurde ihm klar, gibt es in Wahrheit gar keine Vergangenheit, nur die Erinnerung daran. Man zwinkert, und die Welt, die man sieht, existierte noch nicht, als die Augen geschlossen waren. Deshalb, so schlussfolgerte Wen, kann es fuer das Bewusstsein nur einen angemessenen Zustand geben: Ueberraschung. Und der einzig angemessene Zustand fuer das Herz ist Freude. Den Himmel, den man jetzt sieht, hat man noch nie zuvor gesehen. Der perfekte Moment ist jetzt. Freu Dich darueber." (S. 32 f.)

"Das hat kulturelle Gruende."
"Kulturelle Gruende, wie?" [...] Er wusste nicht genau, ob hm alles gefiel, was geschah, aber vieles davon war kulturell, und gegen Kulturelles konnte man keine Einwaende erheben, weshalb er sich nicht beklagte. Das Wort 'kulturell' loeste Probleme, indem es erklaerte, dass sie gar nicht existierten." (S. 98 f.)

Die Revisoren (Anm.: Ueberplaner des Universums von der Art eines zentralen Planungsbueros, die im Roman eine antagonistische Rolle einnehme) hassten Fragen. Sie hassten sie fast ebenso sehr wie Entscheidungen, und Entscheidungen hassten sie fast mit der gleichen Intensitaet wie das Konzept individueller Persoenlichkeit. Aber am meisten hassten sie Dinge, die dem Zufall ueberlassen blieben." (S. 171)

[Eine Axt wird in eine kampfbereite Menge geworfen] "Anschliessend wurde alles sehr hektisch und verwirrend und, nach den Geraeuschen aus dem Kern des Durcheinanders zu schliessen, auch sehr schmerzhaft. [...] Irgendwo in dem Gewuehl erklang ein Schrei.
"Demokratie bei der Arbeit", kommentierte Lu-Tze froehlich." (S. 341)

Mittwoch, Juni 01, 2005

 

Christen, Kirchensteuer und Gläubige

Das Thema Libertarismus und Christentum interessiert mich derzeit. Kuerzlich hatte ich bereits zum Thema des christlichen Verstaendnisses des Diebstahls gebloggt, wo sich eine fruchtbare Diskussion in den Kommentaren entwickelt hat.

Thema des Wahlwochenendes in NRW war fuer mich daher auch nicht die Landtagswahl mit einem wenig ueberraschenden Ausgang und der vom Bundeskanzler angezettelten verfassungsrechtlichen Farce moeglicher Neuwahlen. Interessanter fand ich die Aeusserungen des Kirchentagspräsidenten Prof. Eckhard Nagel ist zur Abschaffung der Kirchensteuer. Hier hat sich ein kluger Mann weit aus dem Buerokratenfenster gelehnt und gefordert, sich auf lange Sicht von der Kirchensteuer zu trennen und stattdessen auf freiwillige Beitraege und Spenden zu setzen. Angesichts heranbrandenden Kritik der um ihre Pfruende bangenden Buerokraten hat Nagel spaeter zwar zurueckgerudert. Allein der Gedanke jedoch verdient Anerkennung.

Abgesehen von der ethischen/christlichen Betrachtung, dass Steuern Diebstahl sind, was - in eingeschraenkter Weise - auch fuer die Kirchensteuer zutrifft, ist auch die oekonomische Analyse spannend. Denn durch die Kirchensteuer wird der zahlende Glaeubige als Leistungsempfaenger der Seelsorge, von ihrem Anbieter, der Person des Pfarrers (und nicht der Kirche) entfremdet. Der Zusammenhang zwischen Leistung und Gegenleistung verschwimmt, denn unzaehlige Buerokraten bilden ueberfluessige Zwischenglieder. Das hat natuerlich Auswirkungen auf die Zahlungswilligkeit des Kunden. Steht seiner Leistung keine adaequate Gegenleistung gegenueber, so wird er aus der Kirche austreten.

Umgekehrt ergeben sich auch negative Folgen fuer den Pfarrer. Er wird unabhaengig von seinen Kunden, denn er ist fest angestellt und sein gehalt hat keine leistungsbezogenen Bestandteile. Er bekommt sein Geld also unabhaengig von der Guete der von ihm angebotenen Leistung. Da irgendwann auch der groesste Idealismus versiegen wird, zumindest aber der Pfarrer eines unmittelbaren Feedbacks beraubt wird, sinken sowohl sein Wille als auch seine Faehigkeit, dem Kunden das anzubieten, was dieser verlangt. Indem das (wirtschaftliche) Band zwischen Glaeubigem und Pfarrer zerschnitten wird, gehen beide als Verlierer vom Platz. Das Resultat sind die bekannten Kirchenaustritte.

Dass es auch anders geht, zeigen die diversen freikirchlichen Gemeinschaften in Deutschland. Hier ist der Seelsorger unmittelbar wirtschaftlich abhaengig von seinen Glaeubigen. Ich nehme an, dass sich statistisch ein Zuwachs von Freikirchgaengern nachweisen laesst.

 

Eignungstest: Haben Sie das Zeug zum Kapitalisten?

Soll man lachen oder weinen? Hier geht es zum Eignungstest: Haben Sie das Zeug zum Kapitalisten?

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